Mein Leben als Tramper – Ich erinnere mich

Oft denke ich noch zurück an die Zeit, als ich noch Tramper war. Ich habe oft geflucht, aber auch sehr oft gelacht. So mancher Augenblick wird für immer in meinen Erinnerungen bleiben, denn es war eine schöne Zeit. Ich bin jetzt bald 3 Jahre runter von der Strasse, und in dieser Zeit habe ich auch viel erreicht. Auch wenn ich noch lernen muss mit dem normalen Leben umzugehen. Aber aller Neuanfang ist schwer. Als Tramper hatte ich andere Probleme als heute, und doch war es genau das was ich auch manchmal vermisste. Auch wenn ich es nur ungerne zugebe.

An was erinnere ich mich besonders gerne?

Diese Frage höre ich immer wieder, und eigentlich sind es viele Dinge. Aber ich glaube das beste was mir je passiert war, war in Irland vor knapp 4 Jahren:

Ich war gerade in Killarney, natürlich als Tramper unterwegs. Odewr wie man im Englischsprachigen Raum sagte… als Hitchhiker. Denn Tramper ist im Englischen das gleiche wie im Deutschen der „Penner“. Jedenfalls, ich war auf den Weg in Richtung Halbinsel Dingle, und brauchte etwas Geld. Also machte ich wie schon öfter vorher einen kurzen Halt in der Stadt um mir etwas Geld mit Strassenmusik zu verdienen. Damals besaß ich noch eine Melodika. Diese Spielte ich auch sehr häufig, aber es bracht nur sehr selten wirklich viel Geld in die Kasse. Aber an diesem Tag wurde ich vom Glück quasi umgerannt. Ich spielte also meine Lieder, als irgendwann ein Pärchen (beide schon im Rentenalter) bei mir stehen blieb und mich etwas auf Englisch fragte. Zu diesem Zeitpunkt lebte ich bereits über 2 Jahre auf dieser Insel. Ich hörte also sehr schnell raus, dass es wohl Deutsche waren und fragte nach. Wie sich herraus stellte waren sie Tatsache Deutsche und genossen gerade ihren Urlaub. Sie luden mich beide auf einen Kaffee ein, in der gegenüber liegenden Bäckerei. Wir kamen ins Gespräch über mein Leben damals, welches ich als Weltenbummler auch sehr genoss. Sie wahren sehr interessiert, und ich genoss den Augenblick.

Aber nicht meinem Mann/meiner Frau sagen

Irgendwann musste der Mann auf das stille Örtchen, der Kaffee wollte wohl schon wieder über die Blase aussteigen. Kein Wunder nach 3 Tassen. Als er weg war, gab mir seine Frau 50€ und sagte nur…aber nicht meinem Mann sagen… der muss ja nicht wissen das ich dir so viel gegeben habe. Kurz bevor wir uns nach 1 weiterem Kaffee verabschiedeten ging dann auch die Frau auf die Toilette. Der Mann bezahlte und steckte mir einen Geldschein in die Tasche und meinte nur, „sag das aber nicht meiner Frau“. Ich musste innerlich grinsen, verkniff es mir aber nach aussen hin.

Ich packte meine sieben Sachen und bewegte mich in Richtung Landstrasse. Um die Stadt auch so langsam aber sicher als Tramper wieder zu erlassen. Dingle rufte mich quasi schon. Also es schrie förmlich nach mir. An diesem Tag hatte ich am ende 2 50€ Scheine (von dem Rentnerpärchen) und gut 40€ durch Strassenmusik in der Tasche. Insgesammt also 140€ für meine Reisekasse. Und ich höre die Stimmen von dem Renterpärrchen noch heute wie sie sagen „Aber nicht meinem Mann/Meiner Frau sagen“.

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